Widersprüchliche Berichterstattung über die Ereignisse in Nachitschewan

Widersprüchliche Berichterstattung über die Ereignisse in Nachitschewan

Ende Juni verbreiteten die Medien in Aserbaidschan ein Video, das beweisen soll, dass die aserbaidschanische Armee neue Territorien in Nachitschewan unter ihre Kontrolle gebracht habe. In dem im Auftrag des Verteidigungsministeriums gedrehten Dokumentarfilm wird über eine Militäroperation der aserbaidschanischen Armee in Nachitschewan im Mai 2018 berichtet. Durch die Operation sollen einige Anhöhen, unter anderem auch die Straße Jerewan–Goris–Lachin, unter die Kontrolle Aserbaidschans gebracht worden sein. Bis vor kurzem hatte das armenische Verteidigungsministerium abgestritten, dass diese militärische Operation überhaupt stattgefunden hat. Später äußerte sich das Verteidigungsministerium Armeniens, dass Aserbaidschan neue militärische Stellungen auf eigenem Territorium errichtet habe, sah darin aber „keinen Grund zur Panik“. 

Nach der Veröffentlichung des Videos seitens Aserbaidschanischs baten die armenischen Journalisten den Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums, Archurun Owannisjan, erneut um eine Stellungnahme. Owannisjan erklärte gegenüber dem armenischen Nachrichtenportal „Panorama“, dass die Operation der aserbaidschanischen Armee „eine neue Gefahr“ für die aserbaidschanischen Hirten und Bauern in Nachitschewan geschaffen habe. In Aserbaidschan wurde dieses Statement als Drohung an die aserbaidschanische Zivilbevölkerung interpretiert.

Wie die russische Nachrichtenagentur Regnum vermeldet, hätten Berichte armenischer Journalisten über die Verlegung aserbaidschanischer Streitkräfte innerhalb von Nachitschewan zur Folge gehabt, dass der Direktor der Informations- und politischen Programme des öffentlichen Fernsehens „Armenia“, Harutyun Harutyunyan, sowie der Chefproduzent des Informationsdienstes „Orakarg“, Artak Erikyan, entlassen wurden. Der Premierminister Armeniens, Nikol Pashinjan, äußerte sich zuvor auf Facebook folgendermaßen: „Einige TV-Sender, die die unbegrenzten Möglichkeiten der Meinungsfreiheit nutzen, entschieden sich für eine anti-staatliche Propaganda... Tut es nicht!“.

Am 26. Juni erklärte der armenische Regierungschef, es sei absurd, von einem Kontrollverlust der armenischen Armee über irgendwelche Gebiete zu sprechen. Die Straße Jerewan-–Latschin sei schon längst im Bereich des gegnerischen Feuers gewesen, so Paschinjan. Ferner gab er an, dass das aserbaidschanische Militär bestimmte „Stellungen“ in Nachitschewan „verschoben“ habe. „Im taktischen und militärischen Sinne hat es keine bedeutenden Veränderungen in Richtung Nachitschewan gegeben“, sagte der armenische Premierminister. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew erklärte auf der Militärparade zum 100. Jahrestag der Armeegründung hingegen, dass infolge der Operation der Armee in Nachitschewan 11.000 Hektar Land unter Kontrolle gebracht worden seien, die in den 1990er Jahren vom Gegner besetzt worden waren.

 

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